World Handicap System 2021

Von: Malcom Gourd, Deutscher Golf Verband Abt. Golfregularien & Course Rating

Liebe Golferinnen, liebe Golfer,

ab 2021 werden auch in Deutschland die Handicaps für alle Golfer nach dem neuen World Handicap System geführt. In der Spielsaison 2020 gibt es jedoch noch keine Änderungen und die Handicaps werden unverändert nach dem bekannten und aktuellen EGA-Handicap-System geführt.
Am Ende der Spielsaison werden wir Sie detaillierter über das neue World Handicap System informieren. Da sich viele Spieler schon heute für das neue System interessieren, möchten wir Ihnen mit dieser Präsentation schon einmal einen Überblick über die wichtigsten Details geben.

Die Golfregeln gelten schon heute weltweit einheitlich. Ein Golfer kann sich darauf verlassen, dass die Golfregeln einheitlich angewendet werden, ganz gleich, wo auf der Welt er spielt.
Im Amateurbereich definiert sich der Golfsport aber auch über das Handicap. Das Handicap ist Ausdruck des Spielpotenzials eines Golfers und wird geführt, um möglichst aktuell die Spielstärke abzubilden. Nur mit einem aktuellen und zur tatsächlichen Spielstärke eines Golfers passen Handicap, ist ein fairer Wettkampf in Turnieren möglich.
Die Regelinstanzen (USGA und R&A) haben sich deshalb zur Aufgabe gemacht, auch im Bereich des Handicaps weltweit einheitliche Regeln einzuführen. Das World Handicap System wurde entwickelt, um alle bisherigen Systeme in einem weltweit gültigen zu vereinen.

Die bisherigen sechs Handicap-Instanzen führen in ihren Bereichen nun als Lizenznehmer das World Handicap System ein. Auch die EGA, die European Golf Association, ist somit jetzt einer der Lizenznehmer und der DGV, als Mitglied der EGA führt allein das World Handicap System in Deutschland ein.

Zurzeit gibt es weltweit sechs verschiedene Handicap-Systeme. Obwohl jedes für sich nur den Sinn hat, die Spielstärke eines Golfers auszudrücken, unterscheiden sich diese Systeme teilweise sehr deutlich.
In Zeiten der Globalisierung reisen immer mehr Golfer in andere Länder. Der Golftourismus boomt und sowohl Deutsche, als auch Golfer anderer Nationen spielen international auf allen Kontinenten.
Um die Handicapführung nach einheitlichen Regeln sicherzustellen, wurden aus allen sechs Systemen die besten Aspekte übernommen und vereinheitlicht. So enthält auch das neue World Handicap System viele schon aus dem EGA-System bekannte Regelungen.
Für uns unverändert, werden Handicaps auch zukünftig bis zu einem maximalen Handicap von 54 geführt. Aus Sicht der EGA war das notwendig, da in Europa sonst sehr viele Golfspieler gar kein Handicap mehr gehabt hätten.
Sehr wichtig war es für uns außerdem, dass die einzelnen Nationalverbände auch weiterhin entscheiden können, ob der Anstieg eines Handicaps bei einem bestimmten Wert gestoppt werden kann. Dieser Wert wird nach wie vor bei 26,5 liegen. Oberhalb von 26,5 kann sich ein Golfer nur herabspielen. In dem Bereich erfolgt keine automatische Heraufsetzung, es sei denn, auf Wunsch des Spielers.
Weiterhin unverändert bleibt die Kalkulation der Handicaps auf Basis des Course Ratings, also mit Hilfe der Course-Rating- und Slope-Werte. Wie schon bisher gewohnt, wird je nach Abschlag, Handicap und Spieler die individuelle Spielvorgabe ermittelt, die zukünftig nur „Playing Handicap“ heißen wird.
Auch die bei uns sehr beliebten vorgabenwirksamen Runden über 9 Löcher werden bleiben.
Schon heute können vorgabenwirksame Runden außerhalb von Turnieren als Extra Day Score, oder EDS-Runden gespielt werden. Auch das wird weiterhin möglich sein. Hier ändert sich nur der Name in „registrierte Privatrunden“. Andere private Runden, also alle nicht zuvor registrierten, werden auch weiterhin nicht zur Handicap-Berechnung genutzt.
Unverändert bleiben auch die Spielformate, die zur Handicap-Berechnung genutzt werden. So sind auch im World Handicap System nur Einzel-Zählspiele, das Zählspiel nach Stableford, der Maximum Score und die nur sehr selten gespielten Par oder Bogey Spiele vorgabenwirksam.

Es werden jedoch auch einige Neuerungen auf uns zukommen.
Besonders ungewohnt wird dabei sicher die Berechnungsmethode sein. Statt das erzielte Handicap nach vorgabenwirksamen Runden herauf- oder herab zu setzen, wird zukünftig der Handicap Index nach dem Durchschnitt berechnet. Dazu werden die besten 8 der letzten 20 Ergebnisse bewertet. Aus diesen 8 Ergebnissen wird der Durchschnitt ermittelt.
Neu ist auch, dass wir keine EGA- oder DGV-Vorgaben mehr haben werden, sondern einen World Handicap Index. Da dieser völlig neu berechnet wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er von der bisher geführten Vorgabe abweicht.
Vorgabenklassen mit Pufferzonen und Herauf- und Herabsetzungs-Multiplikanden werden ersatzlos entfallen. Zur neuen Durchschnittsberechnung werden sie nicht mehr benötigt.
Da es keine unterschiedlichen Vorgabenklassen mehr geben wird, entfallen auch Einschränkungen für die bisherige Vorgabenklasse 1. Im World Handicap System können somit auch Spieler mit einem Handicap Index von 4,4 oder besser, handicaprelevante Privatrunden spielen und an 9-Löcher-Turnieren teilnehmen.
Eine weitere wichtige Neuerung für uns ist, dass ab 2021 alle Einzel-Zählspiel-Turniere während der Spielsaison immer handicaprelevant sein werden. Von Mai bis September haben Spielleitungen somit nicht mehr die Wahl, ein Zählspiel-Turnier „nicht vorgabenwirksam“ auszuschreiben. Da jedoch immer nur die 8 besten der letzten 20 Ergebnisse eines Spielers zur Berechnung des Handicap Index genutzt werden, sind dadurch mehr Herab- als Herauf-Spielungen zu erwarten. Zwischen Handicap Index 54 und 26,5 sind ohnehin nur Verbesserungen möglich. Einzelne schlechte Runden beeinflussen im World Handicap System also nicht grundsätzlich die Entwicklung des Handicap Index.
Im World Handicap System werden die letzten 20 Ergebnisse chronologisch im Stammblatt des Spielers aufgelistet. Wie bisher, steht das zuletzt erzielte Ergebnis ganz oben, das älteste Ergebnis ganz unten im Stammblatt.
Nach dem neuen Verfahren werden die besten 8 der Ergebnisse ermittelt und nur aus diesen der World Handicap Index berechnet. Ein neu erzieltes Ergebnis steht dann an erster Stelle im Stammblatt, das bisher 20ste Ergebnis wird zum 21sten und entfällt.

Für die Konvertierung gibt es keine Formel, mit der die EGA-Vorgabe in einen Handicap Index umgerechnet werden könnte. Die Berechnung erfolgt völlig unabhängig von der EGA-Vorgabe, allein auf Grundlage der erzielten Ergebnisse. Relevant sind hierfür alle vorgabenwirksamen Ergebnisse der letzten 4 Jahre, da nur damit die aktuelle Spielstärke widergespiegelt wird.
Zukünftig werden sogenannte Score Differentials anstelle der bisherigen Stableford-Punkte genutzt.
Viele Spieler haben innerhalb der letzten 4 Jahre jedoch weniger als 20 Ergebnisse erzielt. In diesen Fällen werden die Handicap Indizes aus weniger als 8 Ergebnissen ermittelt.
Da der Handicap Index die Grundlage für Nettoergebnisse und Platzierungen in Turnieren ist, muss ein ungebührlicher Vorteil anderen Golfern gegenüber ausgeschlossen werden. Dies wird durch eine Berechnungsmethode sichergestellt, die immer dann angewendet wird, wenn nur wenige Ergebnisse vorliegen.
Das vollständige System werden wir ab Herbst detailliert erklären.

Hinweis von der Golf Club-Magazin Redaktion:
Der Deutsche Golf Verband beabsichtigt Ende November 2020 die Umstellung des Handicapsystem zu realisieren. Dadurch erfolgt die Konvertierung der Handicaps zum World Handicap Index, auf Grundlage der Durchschnittswertmethode.
Eine Tendenz zum neuen persönlichen World Handicap System Index ist bereits heute unter dem individuellen mygolf-Account einsehbar. Nach erfolgreichem Login einfach auf Premium und dann auf “Meine Formkurve” klicken.

URL: https://www.mygolf.de/
Bitte beachten Sie evtl. aktuelle Informationen seitens des Deutschen Golf Verbandes.

Weitere Informationen unter der URL:
https://www.whs.com/

Scroll to Top