Wintergrüns – ja oder nein?

Im Golf-Club St. Dionys e.V. setzt man in der kalten Jahreszeit konsequent auf Wintergrüns – wir sprachen mit Head-Greenkeeper Christian Steinhauser, selber aktiver Golfer und Singlehandicapper, über die Gründe, warum empfindliche Gräser bei frostigen Temperaturen zwingend geschützt werden müssen, wie Wintergrüns am besten gepflegt werden und warum das Spiel im Winter trotzdem Spaß machen kann.

 

Christian, durchgängig Sommergrüns oder doch lieber Wintergrüns?

 

Christian Steinhauser:  In St. Dionys sagen wir definitiv Ja zu Wintergrüns! Da unser Platz dank des Heidebodens das gesamte Jahr über bespielt werden kann und nur bei wirklich viel Schnee gesperrt wird, ist das die beste Lösung für die Gesundheit der sensiblen Grüns. Deshalb wechseln wir – sobald die Temperaturen Richtung Frost fallen – auf temporäre Wintergrüns.

 

Also vereinfacht gesagt: Ab 0°C wird auf Wintergrüns gewechselt?

 

Christian Steinhauser:  Vorsicht, Lufttemperatur ist nicht gleich Bodentemperatur. Wenn das Thermometer im Winter 5°C Lufttemperatur anzeigt, kann der Boden noch gefroren sein, entscheidend ist also immer die Bodentemperatur.

 

Was passiert denn bei Frost mit dem Gras, dass man es so schützen muss?

 

Christian Steinhauser:  Man kennt das vielleicht aus dem heimischen Garten: Bei Bodentemperaturen von unter 4°C stellt der Rasen sein Wachstum ein. Er kann dann aber auch nicht mehr richtig regenerieren – das heißt, sämtliche Schäden, die der Pflanze dann beispielsweise durch Pitchmarken oder Fußabdrücke zugefügt werden, bleiben bis ins Frühjahr bestehen. Gleichzeitig wird dadurch die Pflanze krankheitsanfälliger. Und je feuchter der Sandboden bei uns auf dem Platz ist, desto stärker neigt er dazu, zu verdichten. Die Folge von Reifenspuren und Fußabdrücken im Winter sind dann meist ungewünschte Bodenverformungen, die nicht nur das „Einwandern“ von Unkräutern und Fremdgräsern begünstigen, sondern auch im Frühjahr durch uns mit kostspieligen und zeitintensiven Pflegemaßnahmen beseitigt werden müssen. Das alles geht schließlich zu Lasten der Qualität der Grüns im Frühjahr und Sommer.

 

An Wintergrüns führt für Dich also kein Weg vorbei?

 

Christian Steinhauser:  Zur Schonung der bei uns auf dem Platz verwendeten feinen Grassorten wie Festuca und Agrostis sind Wintergrüns unabdingbar. Das gilt auch, wenn es zwischendurch mal wieder wärmer sein sollte: Denn wenn der Boden noch gefroren ist, die Oberfläche aber nicht, dann droht den Gräsern durch die beim Gehen auftretenden Scherkräfte ein Wurzelriss. Die Pflanze wäre hinüber. Außerdem ist die Nutzung unserer Golfanlage in den letzten Wintern aus bekannten Gründen noch weiter gestiegen. Diese Mehrbelastung müssen wir – wenn wir im Frühjahr mit perfekten Grüns in die Saison starten wollen – dann auch richtig kanalisieren. Wir tun aber auch eine Menge dafür, dass unsere Golfer auch im Winter voll auf ihre Kosten kommen.

 

Wie das?

 

Christian Steinhauser:  Indem wir einen extrem hohen Anspruch an unsere Wintergrüns stellen. Dazu werden die Flächen bereits kurz nach der Clubmeisterschaft im September angelegt und dann wie unsere richtigen Grüns gepflegt: also regelmäßig gewässert, gedüngt, nachgesät und zusätzlich per Hand gemäht. Der Pflegeaufwand ist beträchtlich, aber unser Ziel im Greenkeeping ist es, die Qualität der temporären Grüns annähernd auf die der Sommergrüns zu heben. Wir tun alles dafür, dass unsere Mitglieder mit möglichst attraktiven Wintergrüns die Schließung der Sommergrüns eher akzeptieren.

 

Trotzdem sagen viele Golfer ja, dass ihnen das Spiel auf Wintergrüns grundsätzlich keinen Spaß macht…

 

Christian Steinhauser:  Wenn man es rein objektiv betrachten möchte, dann sind Wintergrüns nicht nur für die empfindlichen Gräser eine gute Sache. Denn im Winter fliegt der Ball aufgrund der niedrigeren Temperaturen ja bekanntlich nicht ganz so weit. Mit den temporären Grüns spielt sich unser Platz auch dementsprechend kürzer – die Chance, das Grün „in Regulation“ zu erreichen, dürfte also für viele Golfer steigen und damit letztlich auch der Spaß am Spiel. Außerdem bieten wir weiterhin Winterrasenabschläge auf unserem Platz, auf unserer Driving Range kann man im Winter sowohl vom Rasen als auch überdacht von Matten abschlagen und bei Dunkelheit mit Flutlicht trainieren – es gibt also eigentlich keinen Grund, im Winter nicht zum Schläger zu greifen und Spaß am Golf zu haben.

 

Christian, danke für das Gespräch!

 

 

Das Interview führte Nils Seib, Vorstand Marketing im GCStD